Wie geht das zusammen?
- Peter
- 8. Juli 2024
- 6 Min. Lesezeit
Manchmal kommen Dinge zusammen – Gedanken im Kopf, Ereignisse, Bücher, Menschen – die für sich genommen völlig unterschiedlich sind und auch nicht zusammenzupassen scheinen. Und doch gehören sie irgendwie zusammen. Es ist nur seltsam, dass sie auf einmal gleichzeitig da sind. Und plötzlich lösen sich Knoten, ergeben sich Antworten, zeigen sich Wege.

Das mag jetzt sehr nebulös klingen. Ich will gerne etwas ausholen, um zu beschreiben, was mir vor kurzem passierte und warum das mit solchen losen Enden, die nicht so recht zusammenkommen wollen, zu tun hat.
Beginnen sollte ich vielleicht mit drei Dingen, die zum Teil seit langem, teilweise auch erst seit kurzem so zu meinem Leben gehören.
Schon seit sehr langer Zeit habe ich es mir zur Maxime gemacht, dass mein Sonntag der Gemeinde und meinem Gott gehören sollte. An diesem Tag sollte es keine anderen Aktivitäten, keine Arbeit fürs Büro oder andere Ablenkungen geben. Wenigstens dieser eine Tag sollte (zumindest während meines über lange Zeit recht stressigen Berufsalltages) angefüllt sein mit Gemeinschaft unter Geschwistern, Bibellesen, Nachdenken über neue Gemeindetätigkeiten, Ausarbeitung von Vorträgen, Vorbereitung von Bibelstudium, Korrespondenz mit Interessenten, etc. Eben lauter Dinge, die sonst im Alltag immer irgendwie zu kurz kommen. Es hat eine ganze Weile und einige Übung, manche Entbehrung und auch Rückschläge gebraucht, bis das in meinem Leben zur festen Gewohnheit wurde.
Inzwischen fast genauso lange habe ich eine große Leidenschaft – das Billardspielen. Schon seit über 30 Jahren betreibe ich das auch wettkampfmäßig im Verein. Dazu gehören selbstverständlich auch über eine längere Saison verteilte Ligaspiele mit der Mannschaft und zusätzliche Einzelwettkämpfe. Solche Spiele und Wettkämpfe finden normalerweise an den Wochenenden statt. Ups – da war doch was?! Richtig, es gab natürlich immer wieder mal Kollisionen mit Sonntagsspielen und meinem „guten“ Vorsatz, dass der Sonntag der Gemeinde und meinem Herrn gehören sollte.
Meist habe ich mich auch für diesen Weg entschieden und Spiele abgesagt. Manchmal allerdings fühlte ich mich auch den Sportkollegen verpflichtet, insbesondere wenn sich kein Ersatzspieler finden ließ. Selbstverständlich kam es mitunter vor, dass ich meine Spiele an einem solchen Sonntag verloren habe und mit meiner Leistung so gar nicht zufrieden war. Ich erinnere mich nur zu gut daran, wie oft ich dann dachte: „Geschieht dir ganz recht, du solltest ja auch heute nicht hier sein!“ Sollte das so sein oder war das nur eine recht dürftige Ausrede für meine Schlechtleistung?
Als wir vor jetzt zwei Monaten hier in Braunschweig angekommen sind, fiel mit beim Auspacken der Kartons ein kleines Taschenbuch mit dem Titel „Ein Ort für Gottes Herrlichkeit“ wieder in die Hände, das ich lange vergessen hatte. Der Autor beschäftigt sich darin sehr ausführlich und in vielen Facetten damit, wie eine christliche Gemeinschaft eigentlich aussehen sollte, damit sie tatsächlich ein solcher Ort sein kann, an dem Gottes Herrlichkeit strahlt, statt nur an festgesetzten Tagen die immer gleichen Rituale mit den immer gleichen Bausteinen routiniert durchzuführen.
Sehr beeindruckt hat mich beim erneuten Lesen die vom Autor aufgeworfene Frage, warum unsere Gottesdienste eigentlich immer am Sonntag stattfinden. In seiner Recherche durch das Neue Testament stellte er fest, dass wir dort nur über die Juden an vielen Stellen lesen, dass sie sich immer am Sabbat in der Synagoge versammelten. Über die ersten Christen liest man (bis auf zwei Ausnahmen) weder von einem bestimmten Tag noch von einem besonderen Ort der Zusammenkünfte.
Sogar in Jerusalem, wo es zur Zeit des Paulus bereits mehr als 10.000 Christen gab, liest man nichts über bestimmte Versammlungsorte oder festgelegte Zeiten. Man traf sich bei den Geschwistern, wann immer es passte und das Verlangen nach Gemeinschaft da war. Das hat mich sehr beeindruckt. Wirft es doch wieder ein neues und anderes Schlaglicht auf unser Thema „Gemeinde bauen“ hier in Braunschweig. Zugegeben – es hat mir auch irgendwie eine beruhigende Ausrede eröffnet, warum es gerade jetzt, wo ich Rentner bin und jeden Tag Zeit habe für Gemeinde und meinen Herrn, kein Problem mehr ist, auch am Sonntag Billard zu spielen. Ist das nun nur Schwäche, eine faule Ausrede oder einfach neue Freiheit?
Zur Abrundung – und jetzt komme ich auch langsam zum Punkt – muss ich noch erzählen wie froh ich bin, auch hier in Braunschweig einen Billardclub gefunden zu haben, um weiter meiner großen Leidenschaft nachgehen zu können. Karambol-Billard ist hier in Niedersachsen, anders in NRW, eher noch dünner gesät und daher bin ich sehr glücklich, hier diese Möglichkeit zu haben.
Dieser Billardclub feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen, unter anderem auch mit einem Billardturnier, zu dem auch Mannschaften aus anderen Regionen Deutschlands eingeladen waren. Und was soll ich sagen (ihr werdet es vermuten): selbstverständlich fand dieses Turnier an einem Samstag und Sonntag statt, vor zwei Wochen. Zum Glück gab es wenigstens an dem betreffenden Sonntag laut Plan keine Versammlung. Ein leichtes Fragezeichen blieb für mich trotzdem. Aber dieses Turnier war für mich zugleich eine sehr gute Gelegenheit, möglichst viele der neuen Clubkameraden kennenzulernen und neue Freundschaften hier in Braunschweig zu schließen. Also entschloss ich mich, teilzunehmen.
Bis hierher mag sich der geneigte Leser fragen, was das alles mit dem vielleicht etwas verwirrenden Titel dieses Beitrags zu tun hat.
An diesem Turnier nahmen 9 Mannschaften teil (die letzte Meldung kam gerade erst am Vortag), was beim Spielmodus „Jeder gegen Jeden“ für jedes Team acht zu absolvierende Spiele bedeutete (jeweils ca. 60-90 Minuten pro Spiel) und durch diese neunte Meldung jeweils eine Spielpause für jede Mannschaft. Beide Tage waren damit recht vollgestopft mit Wettkampf. An beiden Tagen starteten wir deshalb auch bereits um 10:00 Uhr. Der Samstag verlief wie ich es mir erhofft hatte. Ich traf viele neue Menschen und auch alte Bekannte. Auch die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Mein Teampartner und ich waren vorne dabei. Abends noch gemeinsames Grillen mit vielen Gesprächen und neuen Eindrücken. Ein wirklich tolles Erlebnis. Nach einem etwas kurz geratenen Schlaf dann am Sonntag wieder Treffpunkt 9:30 Uhr im Clubheim zur Bekanntgabe der heutigen Paarungen. Als ich an unserem Clubheim ankam, ein wunderschönes altes Gebäude in einem ebenso schönen Park gelegen,

konnte ich im leeren Park eine Band beiläufig beim Soundcheck hören, noch ohne mir viel dabei zu denken. Wir starteten pünktlich in unsere erste Partie – leider knapp verloren. Meine Leistung war unterirdisch. War das wieder so ein Sonntag? Ein Fingerzeig, dass der Sonntag anders sein sollte? Danach hatten wir unsere Spielpause. Da die Partie recht schnell vorbei war, konnte ich mich bereits um kurz nach 11:00 Uhr nach draußen auf unsere dem Park zugewandte Terrasse begeben. Ich machte die Tür auf, trat nach draußen, und – in voller Lautstärke tönte mir die erste Zeile vom Refrain des Liedes „Gewagte Liebe“ entgegen, wo es heißt: „Oh, wie endlos überwältigend, gewagt ist wie du liebst.“
Wir hatten gerade erst in der letzten Versammlung dieses Lied gesungen. Der Text war noch präsent und so begann ich wohl hörbar mitzusingen. Ich finde hier kaum die richtigen Worte, um die Magie und Schönheit dieses Momentes zu beschreiben. Jetzt noch habe ich beim Schreiben darüber eine Gänsehaut und Tränen der Freude und des Ergriffenseins schießen in die Augen.
Im Park war eine recht ansehnliche Menschenmenge zusammen gekommen. Was ich zu Sehen und zu Hören bekam, war ein Gottesdienst der Reihe „Gottesdienst im Park“, veranstaltet von der evangelischen Allianz Braunschweig. An jedem Sonntag ausgerichtet in einem anderen Park von einer anderen der vielen Braunschweiger Gemeinden (siehe mein letzter Blog!). Dieser Gottesdienst war übrigens der letzte dieser Reihe.

Und das jetzt, ausgerechnet an diesem Sonntag, direkt vor meiner Nase, mit der Spielpause zum genau richtigen Zeitpunkt. So konnte ich die Musik genießen, die noch heute in mir als Ohrwurm nachklingt, und ganz in Ruhe eine sehr schöne Predigt einer jungen Pastorin hören, der ich aus ganzem Herzen zustimmen konnte. Ihr Thema war kurz zusammengefasst, dass es keiner besonderen Leistung bedarf, unserem himmlischen Vater zu gefallen, denn er hat uns doch so, wie wir sind (mit all unseren Unzulänglichkeiten) auf ausgezeichnete Weise gemacht.
"Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl." (Psalm 139,14)
So kamen an diesem Sonntag ganz ungeplant und ohne eigenes Zutun alle meine losen Enden zusammen:
die Leidenschaft fürs Billard ohne schlechtes Gewissen,
ein Sonntag der Gemeinschaft mit anderen Christen,
eine andere sehr schöne Art des Gottesdienstes und
das erste Kennenlernen einer anderen christlichen Gemeinschaft hier in Braunschweig.
Mehr zusammen geht nicht!
So wie es in dem Lied heißt (und in meinem Kopf noch immer nachklingt):
"Du hast mich geformt, mir Leben eingehaucht. Du warst schon immer gut zu mir. Oh, wie endlos überwältigend, gewagt ist wie du liebst."
Hallelujah! (Gelobt sei Jahweh, unser Gott)
Euer Peter
Foto von Pickled Stardust auf Unsplash
Lieber Peter,
vielen Dank, dass Du dieses schöne Erlebnis mit uns teilst! Und das Haus vom Billard-Club sieht ja wirklich auch sehr schön aus!
LG Marco